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Kirchliches Leben in Zeiten des neuen Coronavirus SARS-CoV-2


Predigt zum Thema Segen am Sonntag Trinitatis

Man kann viel und lange über die Bedeutung und das Wirken des Segens theologisieren. Doch eigentlich kann man ihn nur erfahren. 

Tips, tips, tips. Leise und sanft streichelt der lang ersehnte Regen das verzinkte Fensterblech. „Oh, wie gut. Es war so lange trocken. Gerd klagte schon lange. Die Ernte. Es darf nicht wieder werden wie letztes Jahr. Ob sie das Krummet schon eingeholt haben? Naja, viel wird es wohl nicht sein dieses Jahr. Ich weiß noch wie wunderbar betörend das zarte zweite Heu im Juli duftete, als ich als junge Frau selbst noch auf dem Feld stand.

Und wie Vater drauf bestand, dass erst die Arbeit getan werden musste, bevor man auch nur an etwas anderes dachte. Ich schwitzte immer so fürchterlich. Und ich hoffte, das der Bursche, Hans hieß er, mir in solchen Augenblicken nicht zu nahe kommt. Aber immerhin war meine Haut hübsch braungebrannt. Und ich meinte wohl, dass das dem Hans gefiel. Am Abend waren Arme und Beine zerstochen. Was waren das für Zeiten? … Dieser Regen ist wie Segen.“

Die Tür öffnet sich. „Guten Morgen Frau Schmitz! Sie haben ja Vollwertkost, also zum Frühstück wie immer. Brötchen mit Wurst und bisschen was Süßes dazu. Und zum Mittag, was hätten Sie gern? Heute gäbe es Krautroulade mit Kartoffeln oder Nudeln mit Würstchengulasch. Was nehm´r?“

Sie schüttelt nur mit dem Kopf. Sie hat keinen Appetit.

„Alles klar, dann Würstchengulasch. Okay und Abendbrot wie immer. Zum Kaffee bring ich Ihnen einfach ein Stück Quarkkuchen. Gut, Frau Schmitz, dann bis morgen!“ …

Klapp, klapp, klapp. Es ist Wind aufgekommen. Der Regen wird nun seitlich gegen die Fenster getrieben. Die Scheibe wirkt milchig. Man kann nicht mehr erkennen, was sich dahinter befindet. Nur helle Flecken und Schatten.

„Schade, dass es mit Hans nichts wurde. Er war wirklich schön und auch freundlich. Ganz anders als die anderen. Aber nach dem Krieg ging er zurück in seine Heimat. Das konnte ich verstehen aber ich habe ihm lange hinterhergetrauert. Ob er wohl ahnte, was ich für ihn empfand? Naja, ich hab ja später dann den Oskar kennengelernt. Der war auch gut zu mir. Zumindest die ersten Jahre, die waren schön. Obwohl die Zeiten so schlecht waren, gab es in der großen Wirtschaft seiner Eltern keine Not. Was für ein Segen. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre. Ich hatte doch kaum was zuzusetzen und meine Eltern hatten wirklich nicht viel. Eigentlich wollte ich gern in die Stadt und eine kaufmännische Ausbildung machen. Aber der Hof, es war klar, dass wir den Besitz und die Arbeit eines Tages übernehmen und weiterführen würden.“ …

Plötzlich, viele laute durcheinander plappernde Stimmen. Die Tür wird regelrecht aufgestoßen. Beinahe schlägt sie an der Wand an. Sie zuckte schon zusammen, doch kurz zuvor blieb die Türe stehen, unter Spannung verharrte sie einen Augenblick. Rasch traten zwei Ärzte und mehrere junge Leute, wahrscheinlich Schüler oder Studenten, den Raum. Das Türblatt änderte die Richtung und viel krachend zurück ins Schloss.

Viele Fragen, undeutlich hinter einem Notizblock in den Raum gesäuselt, wurden gestellt. Mutmaßlich galten sie ihr, doch sie verstand kein Wort. Sie nickte höflich „Es geht schon.“

Dann wieder raus. Wieder krachte die Tür zu. Das Stimmengewirr wurde leiser und leiser und verschwand schließlich. Der Regen hatte sich verändert. In großen Tropfen klatsche nun ein draschender Sommerregen herunter. … „Wie gern würde ich mit nackten Füßen jetzt im Regen tanzen. Ich glaub ich hab das nicht mehr gemacht, seit wir geheiratet haben. Warum eigentlich? Ich hätte immer gekonnt und jetzt wo ich will, geht es nicht mehr. Wie spät ist es? Oh, erst 10:00 Uhr. Das Mittagessen dauert noch eine Weile. Naja, ich hätte eh lieber Krautroulade gehabt. Ob Sebastian bald mal zu Besuch kommt?

Ich glaub, das Baby ist schon drei Wochen alt. Mein erstes Urenkelchen und ich konnte es noch nicht einmal sehen. Wie hieß sie doch gleich die Kleine? Precilla, ja ich glaub, so sagte Sebastian am Telefon. Komischer Name. Aber klar, das ist eben heute alles anders. Da gewöhnt man sich schon dran. Hauptsache dem Kind fällt das später mal nicht auf die Füße aber das soll nicht meine Sorge sein. Precilla, ja.

Nach wem sie wohl kommt?“

Es hat aufgehört zu regnen. Ein paar Tropfen gleiten an der Scheibe nach unten. Auf ihrer Wange ist es ebenso. Tränchen rinnen darauf hinunter.

Da klopft es leise. Sie erschrickt. Wischt sich rasch die Tränen aus dem Gesicht. Sie will eigentlich rufen: „Nein, lassen sie mich in Ruhe!“ Doch ihr fehlt die Kraft dazu. Die Tür öffnet sich ganz sacht. Eine sanfte Stimme spricht: „Frau Schmitz? Sind Sie da? Oh, Sie sehen aber traurig aus. Ich bin Klinikseelsorger und möchte sie gern einmal besuchen. Darf ich rein kommen?“

Sie zögert. Sie nickt.

Der junge Mann mit blauem Strickpulli setzt sich auf einen Stuhl unweit des Bettes. Ein etwas unangenehmer Abstand liegt zwischen den Beiden.

Doch es ist klar, dass das zurzeit nicht anders geht. Er blickt sie freundlich an, sagt nicht viel. „Wie geht es ihnen?“, mehr nicht. Sie sieht ihn ein paar Sekunden an. Er erinnert sie an Sebastian. Sie muss lächeln. Ihre Augen werden größer. Und sie beginnt zu erzählen.

Sie erzählt von den Tagen im Krankenhaus und wie sie überhaupt erst dorthin gekommen ist.

Das Essen schmeckt ihr nicht und es ist so langweilig. Aber wenigstens regnet es mal wieder. Früher war man froh, wenn vor so einem Sommerregen das Krummet eingebracht war. Man war braungebrannt und zerstochen. Da gab es einen Burschen namens Hans, der war Flüchtling und arbeitete auf dem elterlichen Hof mit. Sie hat ja immer in der Landwirtschaft gearbeitet. Das war nicht leicht, aber man hatte, was man brauchte und man war auch zufrieden. Ihr Mann Oskar ist schon einige Jahre tot. Jetzt lebt sie allein in dem großen Haus. Aber fast jede Woche kommt ihr Enkel Sebastian zu Besuch. Und der hat jetzt ein Baby, das heißt Precilla. Komischer Name aber Hauptsache gesund. Ja und ihr Sohn Gerd wohnt noch mit im Dorf, die anderen sind weiter weg gezogen. Aber alle drei vertagen sich und das ist ja wichtig. Und zum Glück hat man auch ein Telefon. Sie hört zwar etwas schlecht aber das geht schon. …

Nach gut einer Stunde wird es ruhig im Raum. Frau Schmitz liegt ganz gelöst in ihrem Bett. Sie blickt zur Uhr und meint: „Ach, ich glaube, mein Essen kommt gleich. Ich hab schon richtig Hunger jetzt.“

Der Seelsorger verabschiedet sich. Doch bevor er geht, möchte er mit Frau Schmitz beten.

Hastig faltet sie die Hände. Sie beten für die Gesundheit. Sie beten für Sebastians junge Familie und besonders für Precilla. Sie beten darum, dass die ganze Familie vor Schaden bewahrt bleibt und dass Frau Schmitz die Kraft geschenkt wird, die sie braucht, um durch diese schwierige Zeit zu kommen. Das Vaterunser beten sie gemeinsam. Die Worte gehen Frau Schmitz von den Lippen wie ein Lieblingsgedicht. Nach dem Amen öffnet sie die Augen. Der Seelsorger steht vor ihr mit ausgebreiteten Armen.

„Der Herr segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.“ Sie spricht: „Amen. Sie sind ein Segen. Ich danke Ihnen. Kommen Sie nochmal wieder? Bis bald! Alles Gute!“ 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Ewigkeit. Amen. 

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