Unsere schöne Roldislebener Kirche

Ein Schmuckkästchen!

Bienen-Garten-Kirche

Die Einweihung der Bienen-Glocke mit Vortrag und Vernissage

13. April – 07. Juli 2019

Kirche St. Peter und Paul zu Roldisleben

 

Nicht erst seit dem Insektensterben beschäftigt sich die Gegenwartskunst mit den Bienen als Thema. Schon seit einem halben Jahrhundert interessieren sich Künstlerinnen und Künstler für den Bienenstaat als soziologisches und ökologisches Phänomen jenseits traditioneller Naturromantizismen. Eine wichtige Vertreterin dieser Kunstrichtung ist die Heidenheimer Künstlerin Jeanette Zippel, die sich seit drei Jahrzehnten mit dem Thema auseinandersetzt.

Ihre künstlerischen Untersuchungen und Interventionen beruhen dabei auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, ihren eigenen Erfahrungen als Imkerin und intensiven ästhetischen und ökologischen Beobachtungen. In der Ausstellung Bienenlicht in der Kirche St. Peter und Paul zu Roldisleben gibt die Künstlerin einen Einblick in das Spektrum ihrer Themen, die von den Nahrungspflanzen der Bienen, über deren Flug- und Kommunikationsformen, ihren Wahrnehmungsweisen und deren sozialer und räumlicher Organisation reicht.

Für jedes Thema entwickelt sie eine entsprechende künstlerische Form, wozu sie unterschiedliche Materialien, Techniken und Medien einsetzt. Gewickelte Papierröhren, in die Blattstrukturen eingeschnitten sind, symbolisieren beispielweise den Prozess des Stoffwechsels zwischen den Bienen und ihren Nahrungspflanzen. In kleinformatigen Tuschzeichnungen hält Jeanette Zippel die einzelnen Momente eines Bienenflugs fest. Wie eine Biene die Welt durch ihre Facettenaugen wahrnimmt, wird in großformatigen Farbdrucken visualisiert. Fächerförmige Collagen aus kleinen Wachspapieren zeichnen die Schwänzeltänze der Bienen nach, mit denen sie untereinander kommunizieren.

Die soziale Organisation der Tiere, die bekanntlich nur als Volk überlebensfähig sind, thematisiert die Künstlerin anhand der architektonischen Hervorbringungen der Bienen: den Waben. Verschiedene Wand-, Hänge- und Bodenobjekte aus Waben sowie raumfüllende Installationen visualisieren dabei neben der sozialen Organisation der Tiere auch grundlegende Bauprinzipien der Natur.

Doch die Künstlerin richtet ihren Blick nicht nur auf die Bienen als Naturwesen, sondern auch auf deren Verhältnis zu uns Menschen, denn wir nutzen und züchten diese Tiere schon seit Jahrtausenden. Für die Künstlerin und Imkerin ist deshalb auch naheliegend, nicht nur Kunst über Bienen, sondern auch für Bienen zu machen. Auf Grundlage ihres Wissens und ihrer Erfahrungen gestaltet sie Bienenstöcke und konzipiert Bienengärten. Besonders in den Gärten gelingt es ihr auf beeindruckende Weise, den menschlichen Besuchern die Lebenswelt der Bienen näher zu bringen und zugleich den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden. Solche Bienengärten hat Jeanette Zippel in den letzten beiden Jahrzehnten in Stuttgart, Heidenheim, Hermannsdorf, Esslingen, Mariposa (Teneriffa) und Freiburg realisiert.

Wie in einem Bienenstaat, in dem sich die unterschiedlichen Aktivitäten vieler Individuen zu einem lebendigen und nachhaltigen Ganzen verbinden, so fügen sich also auch die einzelnen Werkkomplexe zu einem künstlerischen Gesamtwerk, das den Betrachtern einen gleichermaßen differenzierten wie erschöpfenden Einblick in die Welt der Bienen als ästhetisches, soziologisches und ökologisches Naturphänomen gibt.

Das Besondere der Ausstellung in Roldisleben ist die Herausforderung, mit den künstlerischen Arbeiten im vorhandenen Kirchenraum eine besondere Synergie zu schaffen. Kunst über Bienen passt inhaltlich gut zu einem Kirchenraum, da die Bienen in der christlichen Tradition nicht nur mit ihren Produkten, sondern vor allem auch durch ihr Leben in einer sozialen Gemeinschaft eine grundlegende Bedeutung haben. Bienenwachskerzen waren lange Zeit die einzige Lichtquelle in den Kirchen und das Bienenwachs deshalb sehr wertvoll. Die

spirituelle Bedeutung der Bienen ist Grundlage vieler inhaltlicher Vergleiche mit dem Geist und der Seele des Menschen. So finden sich die Biene und der Bienenkorb auch immer wieder in christlichen Darstellungen und Allegorien vor allem im Bezug zu Christus und Maria. In der Ausstellung wird deshalb versucht, nicht nur räumliche, sondern auch inhaltliche Bezüge zu schaffen.

Die Ausstellung von Jeanette Zippel eröffnet das Projekt Bienen-Garten-Kirche Roldisleben.

Dieses Projekt mit dem Schwerpunkt Bienenleben und Schutz der Bienen im Kontext Kirche soll in Roldisleben einen kulturellen und ökologischen Schwerpunkt in der Region und darüber hinaus schaffen.

 

So konnte für einen Vortrag zur Vernissage der bekannte Bienenforscher Herr Prof. Dr. Jürgen Tautz gewonnen werden. Er hat mit seiner hervorragenden Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahrzehnten viele Menschen für die Bienen und deren Erhalt begeistern können. HOBOS (HOneyBee Online Studies) ist ein Würzburger Honigbienenprojekt, das Prof. Dr. Jürgen Tautz seit 2006 als ein interaktives Schulkonzept entwickelt und leitet.

Weltweit kann jeder über das Internet mit Mikro-Chips ausgestattete Bienen und das Innenleben eines Bienenstocks sowie zahlreiche Messwerte aus der Umwelt (Wetter, Vegetation, Boden) verfolgen. So zeigen sich viele für den Menschen wichtige Aspekte der Ökologie. Das Nachfolgeprojekt von HOBOS, we4bee ( https://we4bee.org ) hat erst vor wenigen Wochen begonnen und wird, gefördert durch die Audi-Stiftung für Umwelt, zunächst 100 Schulen mit Hightech-Bienenstöcken ausstatten und vernetzen. Darüber wird er, neben vielen anderen spannenden Einblicken in das Bienenleben in seinem Vortrag sprechen.

Förderprojekt der IBA Thüringen nimmt Fahrt auf

Im Jahr 2017 beteiligte sich die Kirchengemeinde Roldisleben, jetzt Rastenberg-Roldisleben, am Wettbewerb „QuerStadtland:Kirche, Querdenker für Thüringen 2017“ von EKM und IBA. In der Kategorie „Natur“ wurde das Projekt „Bienen-Garten-Kirche Roldisleben“ als IBA Förderpartner ausgewählt. Im Hintergrund des Wettbewerbs steht das Ansinnen, Kirchen im ländlichen Raum einer erweiterten Nutzung zuzuführen und für die Menschen vor Ort neu zu erschließen. Mit der „Bienen-Garten-Kirche“ soll eine Stätte für intergenerationale Begegnungen und den Austausch von Erfahrungen, Wissen und Glauben geschaffen werden. Im Mittelpunkt steht die Erschließung von Garten und Kirche über die rein gottesdienstliche Nutzung hinaus zum Nutzen der Dorfgemeinschaft und als attraktiver Anlaufpunkt für die ganze Region. Verschiedenste kulturelle Angebote sind dabei ebenso im Fokus, wie pädagogische. Im Rahmen des mehrjährigen Gesamtprojektes sollen Kirche und Kirchgarten einen Raum bilden, der Gemeinwohlbewusstsein befördert, Traditionsbildung und -vermittlung begünstigt, kulturgeschichtliches und religiöses Wissen transportiert und zu Reflexion einlädt.

Der 2018 zu schaffende Raum unter dem Titel „Bienenglocke“ dient als Zukunftsforum und Denkwerkstatt. Es wird die Auseinandersetzung mit den Folgen industrieller Produktionsweisen befördert. Mittelbar kann dadurch exemplarisch die Umkehrung einer Entwicklung angestoßen werden, wonach im Zuge zunehmender Urbanisierung und Landflucht unter anderem städtische Ballungszentren entstehen, die eine höhere Biodiversität und Insektenrefugien aufweisen, während das Land biologisch und sozial verarmt.

Die Bienen sind von ersterem besonders stark betroffen. Jahrtausende lang als Garant guter Ernten und Lieferant wertvoller Rohstoffe genutzt, ist ihre Existenz gefährdet, ohne dass die Folgen dieser Entwicklung derzeit Zeit überhaupt abzuschätzen sind.

Die Bienen bilden eine eindrucksvolle Metapher für Gruppen mit hoher Schwarmintelligenz und die darin verborgenen Potentiale, wie eine tragfähige Gemeinschaft oder das gemeinsame Erreichen von Zielen, die dem Einzelnen unerreichbar sind. Indem wir anfangen die Bienen zu schützen, schützen wir auch uns; indem wir anfangen, abseits von wirtschaftlichen Interessen die wesentliche Bedeutung von Acker als Grundlage unser Kunst und Kultur zu begreifen, lernen wir auch das miteinander auf dem Land wieder zu schätzen. Diese Entwicklung bedingt keine gesellschaftliche Homogenität. So vielfältig wie die Natur soll auch eine Vielfalt der Gedanken, des Handelns und der Spezialisierung im Miteinander vertreten sein. Nur eine polymorphe Gemeinschaft, in die sich jeder mit seinen speziellen Fähigkeiten einbringen und in der kontrovers diskutiert werden kann, ist eine stabile und produktive Gemeinschaft.

In Zusammenarbeit mit dem Institute of Computational Design aus Stuttgart und gefördert durch das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft entsteht ein erlebnis- und museumspädagogisch konstruierter Raum, die „Bienenglocke“. Mit der Gestaltung dieser „Bienenglocke“ kann man sowohl einen Bienenkorb als auch an eine Glocke assoziieren. Natur und Kultur bzw. Religion verbinden sich zu einer Form. Die Glocke ruft in die Welt, rüttelt die Menschen wach, ruft in ihrer geistlichen Funktion zu Gebet und fungiert weltlich als Alarmsignal. Der Bienenkorb steht für den Kreislauf der Natur, die schöne Schöpfung, Harmonie und Lebenskraft. Er bildet er eine hoch effiziente und zugleich sehr fragile Struktur. Es wird ein Bezug von sichtbarer-ursprünglicher, moderner-technologischer und unsichtbarer-spiritueller Welt hergestellt. 


Gemeinderaum und Kirche


Lange mussten die Roldislebener Mitglieder der Kirchengemeinde darauf warten. Nun gibt es neben dem Gemeinderaum endlich eine Toilette. Dank gilt dem Kirchenkreis Apolda-Buttstädt für die Unterstützung aus dem Strukturfonds.